Lebensqualität:  Woher kommt unser Bedürfnis nach Sicherheit?‘

Bei der Frage, was ein zufriedenes Leben ausmacht, sind die Antworten unbegrenzt. Ein Teil dieser Antwort ist: Sicherheit.
Woher kommt unser Bedürfnis nach Sicherheit und wie beeinflusst sie unsere Lebensqualität?

 

Das Gefühl von Sicherheit…

… erfahren wir bereits, bevor wir das Licht der Welt erblicken, nämlich im Mutterleib.
Ganz selbstverständlich werden wir über die Nabelschnur mit Nahrung versorgt, schwerelos schweben wir in warmer Flüssigkeit. Alles was wir brauchen, an einem Ort, zu jeder Zeit, neun Monate lang.

Schwerkraft, ungedämpfte Geräusche, Kälte, Licht, ein Klaps auf den Hintern: der Prozess der Geburt wirkt wie ein Schock auf den Organismus. Der erste Hautkontakt zur Mutter ist die Rettung.

Im Laufe des Lebens wird der Mensch ständig vor neue Herausforderungen gestellt, sodass er sich das Gefühl von Sicherheit im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder „erkämpft“: er versucht, seinem Bedürfnis gerecht zu werden.

Die Reaktion des Körpers auf fehlende Sicherheit

Das Bedürfnis, für Sicherheit zu sorgen, setzt voraus, dass eine Bedrohung („ich befürchte“, „ich muss mich schützen vor“, „ich habe Angst vor“, „ich kämpfe um“ etc.) oder ein Mangelzustand („ich habe zu wenig von“, „ich brauche“,  „ich habe nicht genug von“, „andere haben mehr als ich“ etc.) wahrgenommen wird. Das Gehirn unterscheidet dabei nicht, ob es sich um eine physische Bedrohung, einen Angriff auf das Ego, um Stress im Alltag, den leeren Kühlschrank oder z.B. um finanzielle Unsicherheit handelt. Eine in dem Sinne „bedrohliche“ Situation erzeugt im Körper eine Stressreaktion, und zwar die gleiche, die auch bei Angst auftritt.

Stress und Angst lösen  den körpereigenen Selbstschutzmechanismus als Folge fehlender Sicherheit aus, der uns zum Handeln auffordert:

– Kämpfen: „ich stelle mich der Herausforderung“, „ich halte durch“, „ich werde es schaffen“ etc.
oder
– Fliehen: „ich muss mich verstecken“, „ich renne vor etwas weg“, „ich bin hier nicht sicher“ etc.

Dieser Mechanismus wird Kampf-oder-Flucht-Reaktion genannt.

Sicherheit – ein Grundbedürfnis, das bereits vor unserer Geburt etabliert wurde – kann auf allen Ebenen des menschlichen Seins in Frage gestellt werden: materiell, körperlich, psychisch und spirituell.

Jeder Mensch erlebt Sicherheit und Stress auf individuelle Art und Weise, in unterschiedlicher Intensität.

Um oder für was haben Sie gekämpft?
Worin haben Sie sich bedroht gefühlt?
Wovor sind Sie weggerannt?

 

 

Physiologie der Stressreaktion

Physiologisch betrachtet, werden in stress- oder angstauslösenden Situationen die Nervenbotenstoffe Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Diese wiederum aktivieren den sogenannten Sympathikus, einen Teil des Nervensystems, der für den Kampf-oder-Flucht-Modus zuständig ist.

Der Körper hat eine Entscheidung zu treffen. Für die Bewältigung dieser Situation werden – unter vielen anderen – folgende Körperreaktionen eingeleitet:

  • Erhöhte Herzfrequenz: Das Herz pumpt vermehrt Blut in die Regionen, wo es am meisten benötigt wird.
  • Schwitzen: damit wird die Hitze, die beim „Kampf“ oder Rennen erzeugt wird, kompensiert.
  • Mehr Energie: Adrenalin erhöht unsere Glucosewerte, genannt auch Blutzuckerspiegel, um Energie freizusetzen, oftmals in einer Dosis, die den Körper zittern lässt. Dieser Vorgang verhindert vor allem Müdigkeit.
  • Schlafmangel: als Folge überschüssiger Energie
  • Konzentrationsschwierigkeiten: ein körpereigener Schutzmechanismus, um während einer Gefahr nicht in eine „Gedankenschleife“ zu geraten. Sauerstoff- und Blutversorgung findet vermehrt in anderen Teilen des Körpers statt und führt zu instinktivem Handeln.
  • Emotionslosigkeit: ähnlich wie bei Konzentrationsschwierigkeiten
  • Kennen Sie das?

Die Weisheit des Körpers hat diese Mechanismen für akute reale Bedrohungen konzipiert, um beispielsweise vor wilden Tieren wegzurennen (oder sie zu erlegen) oder im Wald Gefahren aufzuspüren. Sie sind eine Überlebensstrategie.

Heutzutage gibt es andere Herausforderungen für unseren Organismus: Krieg, Klimawandel, Zeitdruck, 40-Stunden-Woche, Pflichten, Streit mit dem Chef, dem Partner oder der Partnerin und viele mehr.
Längst haben sich diese als gesellschaftliche Norm etabliert, weshalb viele Menschen sich kontinuierlich in einem Zustand befinden, in dem sie glauben, etwas bewältigen (physiologisch: „Kampfmodus“) oder vor etwas wegrennen („Fluchtmodus“) zu müssen.
Allein die Vorstellung einer Situation reicht aus, um eine Stressreaktion auszulösen.

Welche Folgen hat Stress auf unsere Gefühlswelt?

Bei der Aktivierung des sympathischen Nervensystems sehen wir die Welt mit anderen Augen: dabei kann die ganze Umwelt als eine potentielle Gefahr wahrgenommen werden. Nicht nur körperlich, auch psychisch befinden wir uns in einer Abwehrhaltung: „alle sind gegen mich“, „ich kann niemandem vertrauen“, „ich bin überfordert“, „ich will meine Ruhe“ etc. Gedanken dieser Art, halten soziale Interaktionen und emotionale Bindung fern, um die Kampf-oder-Flucht-Reaktion aufrecht zu erhalten. In diesem Zustand erscheint eine Person als emotional schwer zugänglich, verschlossen, abweisend etc. Sind wir dauerhaft stressigen Umständen ausgesetzt, kann das unsere Lebensqualität massiv beeinflussen. Zum Beispiel leiden viele Menschen nach Kriegserfahrungen an Schlafstörungen. Einer von vielen Ursachen kann bespielsweise sein, dass ihr Körper in der Kriegszeit  so viel Energie freigesetzt hat, um jederzeit vor der Gefahr fliehen/kämpfen zu können. Im Umkehrschluss erlaubt sich der Körper nicht sich zu erholen und bleibt konditioniert auf leichten Schlaf.

Warum ist das wichtig zu wissen?

Dieser Artikel stellt nicht den gesamten Umfang des Themas dar, sondern soll lediglich dazu anregen, die körpereigenen Prozesse, Handlungen, Gefühle und Gesundheitszustände zu erforschen und verstehen zu lernen.

Für uns selbst:

In welchen Lebensbereichen brauche ich Sicherheit?
Was unterstützt mich?
Was passiert in meinem Körper?
Wie hängen Körper und Gefühle zusammen?

In Bezug auf andere:

Wie kann ich mein Gegenüber unterstützen?
Wie kann ich empathisch sein und Mitgefühl zeigen?
In welchem Zustand befindet sich mein Gegenüber, so zu handeln?

Sicherheit ist ein zentrales Lebensthema. Zum einen beschreibt sie eine äußere Situation, die frei von Bedrohung ist. Gleichzeitig stellt sie ein Urbedürfnis und somit einen Teil unserer Innenwelt dar.
Eine äußere Bedrohung kann greifbar beseitigt werden, ein Bedürfnis ist etwas Wiederkehrendes. Menschen suchen ständig danach. Denn nur, wenn wir uns sicher fühlen, sind wir in der Lage uns körperlich und gedanklich frei zu bewegen. Sicherheit in Beziehungen führt zu der Fähigkeit, vertrauen zu können, Sicherheit in der Familie wirkt wie ein Anker im Leben, Selbst-Sicherheit führt zu Selbst-Vertrauen usw. Es lohnt sich, zu hinterfragen, wieso mein Gegenüber so reagiert, wie er es tut.

Besonders viele älteren Mitmenschen leiden immer noch an ihren traumatischen Erfahrungen, in denen die Abwesenheit von Sicherheit maßgeblich ist. Es äußert sich unter anderem darin, dass die Betroffenen nicht über ihre Vergangenheit sprechen, Liebe nur schwer annehmen und geben können, unter Gedankenschleifen leiden. Ihre emotionale Welt ist sehr verletzlich und verdient deshalb besondere Aufmerksamkeit und Empathie.
Genau wie ein Säugling seine Mutter braucht, um sich sicher zu fühlen, kann im Erwachsenenalter die Ver-Bindung zu einer Person Sicherheit kreieren.

 

 

Diane J. Pitzer
Ganzheitliche Körperarbeit

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